Hanf in der Pferdefütterung
- Jessica Scherer

- 13. Jan.
- 3 Min. Lesezeit
Das Thema Hanf hat in unserem Futtermittellexikon lange auf sich warten lassen. Das liegt vor allem daran, dass unsere Pferde echte Hanfverächter sind und der Hanf deswegen immer gar nicht so sehr in unserem Fokus liegt. Aber Hanf ist mit seinen Vorteilen nicht mehr aus der Pferdefütterung wegzudenken.
Generell ist Hanf für das Pferd eine proteinreiche, faserbasierte Futterpflanze. Er liefert Omega-3 und Omega-6 Fettsäuren, viele Vitamine und Mineralstoffe und nicht zuletzt sekundäre Pflanzenstoffe. Das Aminosäuremuster passt optimal zu den essenziellen Aminosäuren des Pferdes und die Pflanze ist gleichzeitig auch in den aktuellen Klimasituationen stabil anzubauen.
Einsatzgebiete
Um aber die Vorteile und Einsatzgebiete von Hanf richtig einordnen zu können, müssen wir uns die verschiedenen Pflanzenteile anschauen. Denn es macht einen großen Unterschied, ob ich den Samen oder die Pflanze selbst nutze. Und auch Hanfprotein und Hanfpresskuchen sind in der Fütterung nicht mehr wegzudenken.
1. Hanfsamen sind die kleinen, ölhaltigen Früchte der Hanfpflanze. Sie enthalten einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren, insbesondere Omega-3 und Omega-6, sowie wertvolle Proteine und Mineralstoffe. Aufgrund ihres hohen Ölgehalts sind sie aber natürlich auch kleine Energiebomben. Pferden sollten Hanfsamen möglichst frisch geschrotet gefüttert werden. Da sie sehr klein und hart sind, werden sie meist nicht sehr gut aufgekaut. Sie haben im Schnitt einen Proteingehalt von 20-25 %. Ganze Hanfsamen können lange gelagert werden und haben ein geringes Risiko des ranzig Werdens.
2. Der Hanfpresskuchen entsteht als Nebenprodukt bei der Ölgewinnung aus Hanfsamen. Dabei sollte man auf Hanfpresskuchen aus der ersten Kaltpressung achten, sodass alle Nährstoffe noch erhalten sind. Hanfpresskuchen ist reich an Proteinen, Rohfasern und Mineralstoffen, enthält aber deutlich weniger Fett als die ursprünglichen Samen. Er eignet sich daher hervorragend als proteinreiche Futterergänzung mit einem optimalen Aminosäurespektrum für unsere Pferde. Der Proteingehalt liegt bei 30-35 %. Hanfkuchen aus Kaltpressung hat immer noch eine sehr gute Haltbarkeit, sollte aber wie alle Presskuchen dunkel und kühl gelagert werden, um Oxidation zu vermeiden.
3. Hanfprotein ist die nächste Verarbeitungsstufe des Hanfpresskuchen. Dazu werden durch das Sichten (die Trennung per Sieb und Luftstrom) die schwereren Partikel der Schale aussortiert und nur das leichte Proteinmehl bleibt erhalten. So wird ein Proteingehalt von 50-60 % Prozent je nach Reinheit erreicht. Rohfaser und Mineralgehalt sinken jedoch durch die ausgesiebten Schalenteile. Durch die weiteren Verarbeitungsschritte ist Hanfprotein zwar einem höheren Risiko von Oxidation ausgesetzt, durch die größere Trocknung relativiert sich das aber auch wieder. Aber auch hier sollte auf eine dunkle und kühle Lagerung geachtet werden.
4. Hanfpellets aus der ganzen Pflanze hingegen kommen meist auf einen Proteingehalt von 10-15 %, wogegen der Rofhasergehalt natürlich deutlich steigt. Diese Form von Hanf ist somit ein super Grundfutter für alle Pferde, die keinen erhöhten Proteinbedarf haben, aber trotzdem vom breiten Aminosäurespektrum profitieren sollen. Dazu liefern solche Hanfpellets die wichtigen Rohfaser für die mikrobielle Verdauung im Dickdarm. Aber: Bei der ganzen Pflanze besteht auch immer das Risiko, dass Cannabinoide enthalten sind. Es müssen aber gesetzliche Höchstwerte eingehalten werden. Durch den geringen Fettgehalt ist die Haltbarkeit und Lagerfähigkeit solcher Produkte nach der Trocknung sehr gut.

Cannabinoide und Doping
Grundsätzlich enthalten die Hanfsamen keine Cannabinoide. Das heißt Hanfsamen und die daraus gewonnenen Produkte sind auch in Sachen dopingrelevanz eigentlich sicher. Aber bei der Ernte kann es zur Kontamination mit THC oder CDB kommen, die als verbotene Substanzen eingestuft werden. Bei Turnierpferden wird daher bei Hanfprodukten eine Karenzzeit von 48 Stunden empfohlen. CBD-Produkte hingegen sollte man bei Turnierpferden überhaupt nicht anwenden, da die Nachweisbarkeit der Metaboliten von CBD teilweise auch noch nach 4-6 Wochen möglich ist. Ähnlich sieht es mit THC aus, besonders wenn Hanfprodukte aus der ganzen Hanfpflanze gefüttert werden.
Der gesetzliche Wert von 0,3 % THC darf in diesen Produkten nicht überschritten werden. Es wird aber davon ausgegangen, dass es bei THC und CBD einen Kumulationseffekt gibt und die Cannabinoide im Fettgewebe angereichert werden. Dadurch kann der Schwellwert im Pferd bei längeren Gaben überschritten werden. Die Nachweisbarkeit der THC- Metaboliten liegt ebenfalls bei mindestens 4 Wochen.
Da die Substanzen als verboten gelten, reicht der Nachweis von Metaboliten als Einsatznachweis. Daher sollte bei Turnierpferden auf die Fütterung der ganzen Pflanze verzichtet werden.
Wer unsere Beiträge zum Futtermittellexikon kennt, erwartet jetzt eigentlich die Dosierungsempfehlung. Die können wir hier aber leider nicht geben. Denn zum einen müssten wir die für jede Verarbeitungsstufe separat betrachten und zum anderen kommt es total drauf an, was ihr mit dem Hanf erreichen wollt. Dazu kommen die verschiedenen Hanfarten und ihre unterschiedlichen Nährstoffprofile. Also fällt die Dosierungsempfehlung diesmal aus.
Unser Fazit
Hanf kann richtig eingesetzt eine tolle Bereicherung des Speiseplans, ein wertvoller Proteinergänzer, ein rohfaserreiches Grundfutter oder ein zusätzlicher Nährstofflieferant sein. Das Thema Doping sollte bei Turnierpferden jedoch im Hinterkopf behalten werden. Und auch bei Freizeitpferden kann der Kumulationseffekt relevant sein, wenn ihr das Gefühl habt, dass euer Pferd auf die Fütterung von Hanfprodukten müde oder träge wird. Die Wirkung von Cannabinoiden im Pferdekörper ist bisher auch noch nur sehr bruchstückhaft erforscht.



Kommentare